Neue Diskussion um die Zukunft der GKV´s: Hausärzte und Sozialverbände halten die derzeitige Anzahl von 93 gesetzlichen Krankenkassen für überdimensioniert. Auch der Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Markus Blumenthal-Beier, äußert enorme Kritik. Er fordert, dass die Versicherer ihre internen Strukturen deutlich vereinfachen und die Verwaltungskosten massiv reduzieren.
Zusammenschlüsse einzelner Kassen wären eine denkbare Variante, um den Verwaltungsaufwand zu reduzieren und damit diesen Kostenfaktor zu senken. Beispielsweise könnten bei der hohen Anzahl der einzelnen Betriebskrankenkassen Synergien in bestimmte Beschäftigungssektoren oder Branchen gesucht und eingeleitet werden.
Der Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Markus Blumenthal-Beier sagte gegenüber der Rheinischen Post: „Die Krankenkassen können ja mal ihre Mitglieder fragen, wofür sie ihre Beiträge lieber zahlen: Dafür, dass sie auch in Zukunft noch eine Hausarztpraxis finden oder dafür, 90 Kassen zu finanzieren. Es wird Zeit, dass die Kassen endlich den Rotstift bei sich selbst ansetzen, statt immer nur bei der Versorgung ihrer Versicherten.“
Sozialverbände fordern ein Ende von Doppelstrukturen
Auch große Sozialverbände wie der VdK und der SoVD kritisieren, dass die Vielzahl von Krankenkassen unnötige Parallelstrukturen schaffe und somit erhebliche Beitragsmittel binde. Diese Gelder, bei denen es sich um Milliardenbeträge handele, sollten nach Ansicht der Verbände besser unmittelbar der Patientenversorgung zugutekommen. Die aktuelle Organisationsform sei nicht mehr zeitgemäß und gehe am Ende zulasten der Versicherten.
Darüber hinaus forderte die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschlands, Michaela Engelmeier, von der Politik eine gerechtere Beteiligung hoher Einkommen und einen fairen Finanzausgleich zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung sowie eine Senkung der Arzneimittel-Mehrwertsteuer auf sieben Prozent.
Politik befürwortet Zusammenschlüssen – GKV-Verband warnt vor Scheinlösung
Unterstützung kommt aus der Politik: CSU‑Fraktionschef Klaus Holetschek empfiehlt den Gesundheitskassen, eigenständig Kooperationen auszubauen und mögliche Fusionen zu prüfen, bevor der Gesetzgeber eingreift. Der Vorstandsvorsitzende des GKV‑Spitzenverbandes, Oliver Blatt, entgegnete den Vorschlägen, dass die Zahl der Kassen bereits über Jahrzehnte hinweg deutlich zurückgegangen ist. So existierten im Jahr 1970 noch 1.815 gesetzliche Krankenversicherungen, während ihre Zahl zur Jahrtausendwende bereits auf 420 gesunken war.
Weiterhin erklärte Blatt, dass der Anteil der Verwaltungskosten der einzelnen Träger ohnehin rückläufig sei und sowohl Versorgung als auch Verwaltung bereits effizient organisiert ist. Die Kosten seien um mehr als die Hälfte geringer als bei privaten Krankenversicherungen. Die aktuelle Debatte hält er daher für überzogen und warnt vor einer Scheinlösung, die lediglich von tieferliegenden strukturellen Herausforderungen ablenke.
Finanzdruck wächst weiter
Parallel zu den Diskussion verschärft sich die wirtschaftliche Lage der gesetzlichen Krankenversicherung. Trotz einzelner Überschüsse steigen die Ausgaben, insbesondere für Kliniken, Arzneimittel und ambulante Leistungen, deutlich schneller als die Einnahmen. Das Gesundheitsministerium hat ein Expertengremium eingesetzt, das bis Ende März 2026 Vorschläge zur Stabilisierung der GKV vorlegen soll. Für das Jahr 2027 wird bereits eine milliardenschwere Finanzierungslücke erwartet.